Österreich hat zwischen 2016 und 2026 27 Nachtzugstrecken wiedereröffnet. Die Gen Z bucht einen Sleeper statt Easyjet, weil sie Erzählung versteht. Die EU hat Kurzstreckenflüge mit CO2 besteuert und Brüssel-Praha auf der Schiene günstiger gemacht als in der Luft. Dieser Guide zeigt die echten Kabinen, die echten Preise und die Arithmetik, die alles verändert: zehn Stunden Schlaf in der Liege sind keine verlorene Zeit — sondern gewonnene Zeit.
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Als ich im Oktober 2017 das erste Mal den Nightjet Berlin-Wien nahm, dachte ich, ich würde es hassen. Ich war 34, flog 80 Mal im Jahr und hielt Nachtzüge für eine Sache 22-jähriger Backpacker ohne Geld für Ryanair. Ich kaufte die geteilte 6-Liegen-Kabine aus Neugier für 39 €. Ich schlief 7 Stunden. Wachte um 6 Uhr morgens in Salzburg auf mit schwarzem Kaffee und Croissant in die Kabine geliefert, sah die Alpen im rosa Licht durchs Fenster, kam um 8:47 Uhr in Wien an — ohne Dusche, ohne Schlange, ohne Flughafen.
Dieser Morgen brach etwas in mir bezüglich Geschwindigkeit. Nicht die technische — das Flugzeug bleibt schneller. Die gefühlte. Der Flug Berlin-Wien dauert 1h15 in der Luft. Rechne Fahrt zum Flughafen, Abfertigung, Sicherheit, Boarding, Rollen, Gepäckwarten, Fahrt von Schwechat ins Zentrum dazu: 5h30 von Tür zu Tür. Der Nachtzug dauert 10h, aber 8 davon schläfst du. Verlorene wache Nutzzeit: 2h. Technischer Gleichstand mit dem Flugzeug — mit dem Vorteil, wach statt zerstört anzukommen.
Diese Rechnung ist der Motor der Nachtzug-Renaissance in Europa. Keine Nostalgie. Arithmetik.
Der Kollaps und die Rückkehr
TL;DRDamit klar wird, warum das 2026 eine Nachricht ist: vor fünfzehn Jahren waren Europas Nachtzüge nahezu tot. Die Deutsche Bahn schloss ihren CityNightLine-Dienst im Dezember 2016 wegen „wirtschaftlicher Veralterung". Die SNCF (französisch) strich die meisten Intercités-de-Nuit-Linien zwischen 2007 und 2016.
Damit klar wird, warum das 2026 eine Nachricht ist: vor fünfzehn Jahren waren Europas Nachtzüge nahezu tot. Die Deutsche Bahn schloss ihren CityNightLine-Dienst im Dezember 2016 wegen „wirtschaftlicher Veralterung". Die SNCF (französisch) strich die meisten Intercités-de-Nuit-Linien zwischen 2007 und 2016. Spanien legte die Trenhoteles nach Lissabon, Paris und Zürich still. Italien behielt nur ein Skelett.
2016 blieben in Europa weniger als 30 Nachtstrecken. Österreich allein hielt seinen Betrieb aufrecht und übernahm, was die anderen wegwarfen. ÖBB kaufte gebrauchtes Rollmaterial von der DB zum Schrottpreis, sanierte die Wagen und brachte alles als Nightjet zurück. Eine langfristige Wette eines kleinen Staatsbetriebs, gestützt auf zwei Überzeugungen: erstens, dass kurze Flüge in Europa aus Klimagründen teuer würden. Zweitens, dass eine neue Generation Erzählung über Geschwindigkeit stellen würde.
Beide Thesen bestätigten sich. 2019 brachte Schweden den Begriff Flygskam — Flugscham — in Umlauf. 2020 legte die Pandemie Europa zwei Jahre lahm. 2023 verabschiedete die EU eine Richtlinie, die innereuropäische Flüge unter 600 km mit einem CO2-Aufschlag belegt, der ab Januar 2025 schrittweise in Kraft trat. Berlin-Paris kostete im Schnitt 89 € im Jahr 2024. Im Januar 2026 kostet er im Schnitt 109 €. Der entsprechende Nightjet kostet 89 € in der geteilten Kabine und 240 € in der Privatkabine. Der Preisabstand zwischen Fliegen und einer privaten Liege fiel auf 130 € — für den Komfort, ausgeruht anzukommen, ohne ein Vier-Sterne-Hotel zu bezahlen.
2026 hat Europa 89 regelmäßig verkehrende Nachtzugstrecken. Dreißigmal so viele wie vor zehn Jahren.

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